Ein wenig Hilfestellung zu Hartz 4

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    • Ein wenig Hilfestellung zu Hartz 4

      Hallo an alle,
      hier meldet sich mal euer Wotse zu Wort.

      Da es in diesem Forum zur Zeit noch recht ruhig ist, dachte ich mir ich schreibe mal ein wenig und plaudere so aus dem Nähkästchen. Was genau und konkret weiss ich noch nicht. Aber um beim Titel zu bleiben, es wird um Hartz 4 gehen, worauf ich nun nicht mehr angewiesen bin da ich einen Job habe, jedoch werde ich meine Vergangenheit nicht vergessen, der Titel hätte auch "10 Jahre Hartz 4" heissen können.

      Selbstverständlich dürfen, können und sollen Fragen gestellt werden!

      Ich beginne mal mit einem ganz kurzen, aber essentiellen Tip:

      Tip 1: Geht immer mit Begleitung zum Amt! Dazu gibt es den Beistandsparagraphen!

      Zehntes Sozialgesetzbuch - Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz - (SGB X) - §13 Bevollmächtigte und Beistände
      (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.


      Ihr lieben Leuts, löchert mich mit Fragen!!!
      Moins Leute. Selbsthilfepoint ist wieder da, wie wunderbar.
    • Gibt wohl jetzt neue Maschen.
      Termin am 12 gedruckt (Datum auf dem Brief) für den 12, also den gleichen Tag.
      Wäre wohl ein Technisches Problem und Brief wäre am 9 gedruckt worden. Wer es glaubt.

      Kam mehr als ein mal vor. Insgesamt 160% Sanktion

      Kurz vor dem ersten erst die Bescheide raus hauen das noch Unterlagen fehlen (Nebenkosten, Kontoauszüge etc.) und Zahlungen eingestellt sind bis diese vor liegen.

      Vermittlungsgutscheine verweigern. Obwohl der Job dann sicher ist in Massnahme gesteckt oder besser mit 40 Jahren seinen Abschluss nach machen anstatt Vermittlungsgutscheine zu geben wo Job auch Sicher ist.

      Staplerschein verweigert, 2 Wochen Kurs vom Amt obwohl Schriftliche Zusage vom neuen Arbeitgeber Vorlag das man übernommen wird.
      Niemans weiß, wie ich mich wirklich im Inneren fühle. Erst wenn es zu spät ist, denken alle darüber nach.
    • Lichte-Kraft schrieb:

      @Fragz
      was heißt das 160% Sanktion wie kann das mehr als 100% sein?
      Du musst dir das so vorstellen.
      Hartz4 deckt das Existensminimum. Wenn davon Geld fehlt, kann Leib und Leben bedroht sein welches gegen das Grundgesetz ist. Eine Sanktion ist ist das wegfallen von Geld, es ist gegen das Grundgesetzt aber doch irgendwie erlaubt.

      Nehmen wir mal Familie Müller. 2 Erwachsene und 4 Kinder.
      Wegen eines Versäumten Termines vom Mann beim Amt gibt es eine 10% Sanktion, sprich 10 Prozent Abzug vom ganzen Geld. Das wären ca. 36€
      Der Zweite Termin gibt eine 30%
      Der dritte eine 60%
      usw.

      Das ganze für 3 Monate und immer gestaffelt.
      Als Beispiel:

      Erste Sanktion 10% für 3 Monate
      Zweite Sanktion sind 30% für 3 Monate.

      Ergibt eine Sanktion von insgesamt 40%. Fällt die 10% nach 3 Monaten weg, bist du noch bei der 30%. Eine Sanktion bleibt immer für 3 Monate und staffelt sich dann so.
      Ich hoffe das war verständlich sonst kann ich gerne weiter ausholen.

      Nun zu den 160%. Die Familie erhällt Hartz4 aber da Kinder im Haus sind kann nur eine Person zur Arbeit herangezogen werden. Im normal Fall ist es der Mann, das heist er nimmt die Termine bei der Jobvermittlung war und lediglich Ihn betreffen diese Sanktionen.
      Wenn man nun aber bei 100% angelangt ist, fällt das ganze Geld vom Mann weg. Flattert dann wieder eine Sanktion ins Haus, gehen die an das Geld der Frau, Kinder und sogar an die Miete/Strom.

      Bei 160% wäre dann vom Ehemann das Geld weg und 60% von der Frau. Ist die Frau auch bei 100% sprich insgesamt 200%, kürzen die das Geld der Kinder. Wenn alle bei 100% sind gehen die an das Geld der Miete etc.

      Ich hoffe das war jetzt alles verständlich.

      Es gab in der Vergangenheit bereits mehrere Gerichtsurteile das die Sanktionen gegen geltendes Recht verstoßen, Verfassungswidrig sind etc. Im Grunde dürften diese erst gar nicht verhängt werden, das Jobcenter kommt damit aber immer wieder durch.



      Ich war noch nie in so einer Situation
      Sei froh darüber
      Niemans weiß, wie ich mich wirklich im Inneren fühle. Erst wenn es zu spät ist, denken alle darüber nach.
    • Schön das sich hier so beteiligt wird. Auch wenn das Thema selber nicht angenehm ist.
      Übrigens probierte ich am Sonntag schon eine Antwort zu schreiben, aber irgendwie war das Forum kacklahm...

      Aber nun back to Topic

      @Lichte-Kraft
      Nunja, die meisten Menschen in Deutschland waren noch nicht in so einer Situation. Obwohl diese jeden treffen kann. In Berlin sind 16,5 % Hartz Bezieher, so wirklich wenig ist das auch nicht.
      Quelle: de.statista.com/statistik/date…r-deutschen-bevoelkerung/

      Fragz,
      du hast ja auch schon einiges mitgemacht mit dem Amt und weisst wie die ticken.

      Hartz4 ist eigentlich von mehrern Seiten Grundgesetzwidrig. Allein das Thema Sanktionen ist eigentlich nicht mit einer Rechtsstaatlichkeit vereinbar.
      Zum einen weil einem mit einer Sanktion das Existenzminimum abgeschnitten wird, auf gut deutsch der Staat einen verhungern lässt. Aber auch weil damit keine Gewaltenteilung mehr staatfindet. Der Sachbearbeiter auf dem Amt hat gleichzeitig richterliche und vollstreckbare Gewalt über einen. Das erst macht ja Sanktionen möglich.
      In diesem Moment habe ich leider nicht die Zeit mehr zu schreiben, es ist jetzt Dienstags morgens und ich mache mich gleich auf die Arbeit, aber ich hole das zerpflücken und vergleichen der Sanktionspraxis zum Grundgesetz hier gerne nach.

      Soviel mal an dieser Stelle, auch ich wurde schon wiederholt Opfer der Behördenwillkür. Einmal wurde auch ich zu 100 % sanktioniert, wurde fast in die Obdachlosigkeit getrieben, und jeder der einmal in so einer Situation ist weiss, später vor Gericht bekommt man zwar Recht zugesprochen, aber was nützt später das Recht wenn man in der Zeit alles verloren hat (Wohnung, je nach Einzelfall Freunde, Lust am Leben, Familie)...

      Aber man kann sich zumindest versuchen zu wehren gegen Falschbehandlung. In den meisten Fällen erfolgreich. Nicht in allen Fällen, wenn das Amt sein ganzes Gewicht in den eh schon viel längeren Hebel gegen den Hartz4 Bezieher legt wird es schwierig, aber (ich schätze mal) 90 % kann man für seine rechte bestehen.

      Dazu allerdings ist es unabgänglich sich mit seinen rechten auseinanderzusetzen. Natürlich (der Vollständigkeit halber hier erwähnt) auch mit seinen Pflichten. Aber hier in diesem Thread soll es um die rechte gehen, die Pflichten bekommt eh jeder Hartz4ler vom Amt mehrfach und wiederholt um die Ohren geschlagen.
      Auseinandersetzen mit seinen rechten heisst sich mit der Sozialgesetzgebung beschäftigen.

      Denn SGB I, § 13 wird in der Praktik auch nicht richtig angewendet.
      Recht auf Aufklärung
      " ...sind verpflichtet, im Rahmen ihrer Zuständigkeit die Bevölkerung über die Rechte und Pflichten nach diesem Gesetzbuch..." aufzuklären.

      Mir jedenfalls ist nicht ein einziger Fall bekannt in dem jemand auf seine rechte aufmerksam gemacht wurde.

      Aber nun muss ich los, meine Arbeit ruft. Bis später. Grüße an alle.
      Moins Leute. Selbsthilfepoint ist wieder da, wie wunderbar.